Massaker von Schletz

https://www.zamg.ac.at/cms/de/images/geophysik/angewandte-geophysik/der-steinzeitliche-kreisgraben-von-steinabrunn-kartiert-mit-hilfe-von-einem-hochempfindlichen-caesium-magnetometersystem.-c-zamg-geophysik-archeo-prospections-r

Kreisgraben Steinabrunn …. Quelle: www.zamg.ac.at

In Österreich wurden mehr als 20 Kreisgrabenanlagen gefunden, diese Bauwerke, auch Erdwerke genannt, können zu bestimmten Zeiten von einem Flugzeug aus gesehen werden, z.B: wenn im Frühling die Erde abtrocknet, wenn im Sommer das Getreide reift,…

Diese Bauwerke stammen aus der Jungsteinzeit, aus der Bandkeramik-Kultur, aus der Zeit der ersten Ackerbauern in Mitteleuropa, bestehen aus kreisrunden, ovalen oder unregelmäßig runden Gräben, die im Laufe der Zeit durch die Natur aufgefüllt und später durch die Bodenbearbeitung der Landwirtschaft unsichtbar wurden. Der Zweck dieser Anlagen ist nicht genau bekannt, möglicherweise dienten sie als Viehkoppel, als Verteidigungsanlage oder hatten astronomische Bedeutung.

Die Archäologen begannen nun, einige dieser Bauwerke auszugraben, auch jene in Schletz, Asparn an der Zaya, nördliches Weinviertel, Niederösterreich. Sie entdeckten einen tiefen Schacht, einen Brunnen im Inneren der Kreisgrabenanlage, gruben auch den Graben aus und fanden unten auf der Grabensohle viele menschliche Knochen.

Die Skelette waren teilweise nicht in der natürlichen Ordnung. Manche Teile, etwa die Armknochen, lagen einige Meter von den Rumpfknochen entfernt. Viele Knochen wiesen Verbissspuren auf, Hunde oder Wölfe hatten die Leichen angenagt, die Toten wurden offensichtlich nicht bestattet, sondern nur in den Graben geworfen. Dieser wurde im Laufe der Jahre durch den Wind mit Erde aufgefüllt, und die Knochen auf diese Weise konserviert.

Die Schädelknochen hatten fast alle Löcher (hervorgerufen durch Gewalteinwirkung). Die Rekonstruktion durch die Archäologen ergab, daß die Leute von rechts hinten erschlagen worden waren. Auf die am Boden liegenden Opfer wurde noch weiter mit Steinwerkzeugen eingeschlagen. Manche hatten bis zu 5 tödliche Verletzungen.

Die Skelette wurden alters- und geschlechtsspezifisch bestimmt. Es fanden sich Männer jeden Alters und auch Knaben, kleine Kinder, ältere Frauen. Skelette junger Frauen und Mädchen fehlten. Offensichtlich hatten die Täter die jungen Frauen als Beute mitgenommen.

Insgesamt wurden 58 Skelette gefunden, einige davon auch im Brunnen. Allerdings wurde die Anlage nur teilweise ausgegraben, auf die gesamte Fläche hochgerechnet könnte es sich um 200 Skelette handeln. Der Rest der Anlage wurde aus Kostengründen nicht ausgegraben. Spätere Generationen könnten weitergraben und mit Hilfe neuer Methoden neue Erkenntnisse gewinnen.

Ergänzung am 19.02.2016 um 15:10:

Es ist nicht geklärt, wer die Täter von Schletz waren. Es könnten andere Bandkeramiker gewesen sein, es könnten auch Leute der Jäger und Sammler (Mesolithikum) gewesen sein. Es ist auch möglich, dass herumziehende Banden von Indogermanen das Gemetzel vollzogen haben.

Man nimmt zwar an, dass die Eroberung durch die Indogermanen in Mitteleuropa um etwa 5.000 Jahre BP (vor der Gegenwart) erfolgt ist. Es ist aber nicht ausgeschlossen, dass 2.000 Jahre früher schon herumziehende Banden – Mitteleuropa unsicher gemacht haben. Die Indogermanen vom Typ R1a1 haben damals in Südrussland ( heute Donezk-Becken) gelebt, es ist also nicht ausgeschlossen, dass sie auf ihren Streifzügen so weit herumgekommen sind.

Ergänzung am 01.03.2016 um 16:30:

Nach Aussagen der britigschen Anthropologen/Humangenetiker waren die G2a-Leute die ersten Ackerbauern in Europa, für die Britischen Inseln trifft das jedenfalls zu. Ob es auch für den Donauraum zutrifft, ist derzeit nicht geklärt. Es könnten mehrere Völker an der neolithischen Einwanderung beteiligt gewesen sein. Laut heutiger Verteilung von E1b1b in Mitteleuropa, haben diese im Neolithikum eine wesentliche Rolle gespielt.

 

 

 

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Massaker von Schletz

4 Gedanken zu “Massaker von Schletz

  1. Ich wollte eigentlich eine Geschichte schreiben, in der ein Zusammenhang zwischen dem Massaker von Schletz, dem Vordringen der Männer der Kurgan-Kultur und der Einführung der Indogermanischen Sprachen in Europa herstellt wird.

    Ich sammelte Informationen im Internet, dabei wurde mit klar, daß ein zeitlicher Unterschied von bis zu 2.000 Jahren zwischen diesen Ereignissen bestehen könnte.

    Das Massaker von Schletz wurde mit der C-14 Methode auf etwa 4.000 v.Chr. bestimmt (6.000 Jahre alt). Die Einwanderung der Kurgan-Männer und damit die Einführung der Indogermanischen Sprachen in Europa wird von einigen Wissenschaftlern (z.B: Marija Gimbutas,…) auf 3.000 bis 2.000 v.Chr. festgelegt (oder vorgeschlagen).

    Jedenfalls wurde die Bandkeramische-Kultur in Schletz mit diesem Massenmord beendet, die Siedlung wurde ausgelöscht und aufgegeben.

    Mich würde interessieren, wer die Täter waren, welchem Volk sie angehörten. Von ihnen gibt es keine verwertbaren Spuren.

    Andererseits haben die Kurgan Männer aus Südrussland tiefe genetische Spuren in Europa hinterlassen. Mehr als 60 % der heute in Europa lebenden Männer haben die
    männlichen y-Haplogruppen R1b oder R1a, welche auf die Kurgan Männer zurückgeführt werden.

    Meine Theorie:
    Die Kurgan Männer haben alle anderen Männer, die sie angetroffen haben, erschlagen und mit deren Frauen und Mädchen Kinder gehabt, welche große Teile der heutigen Bevölkerung in Europa bilden. Die anderen alten männlichen Linien wurden teilweise ausgerottet.

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  2. Es gibt unterschiedliche Auffassungen über die Datierung dieses Ereignisses. Ich habe die Diagramme der Analyse nach der C14 Methode gesehen, kann diese aber nicht interpretieren. Ich sehe 2 unterschiedliche Zeitangaben (BP und BC), die zweite heisst wohl – before christ – vor Christi Geburt.

    Im Internet habe ich schon mehrere Einträge über das Massaker von Schletz gefunden, welche angeben das sei vor 7000 Jahren gewesen.

    http://winserion.org/LVAS/QAM/14C/Schletz.html

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  3. Nach meinem derzeitigen Informationsstand könnten doch die R1b1b Männer als Täter von Schletz in Frage kommen.

    Wenn dieses Ereignis vor 6.000 Jahren war, und eine neue Untergruppe von R1b1b vor 5.500 Jahren schon in Mitteleuropa entstanden ist, kann ein Zusammenhang hergestellt werden, zumindest nicht ausgeschlossen werden.

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  4. Aus neueren Quellen geht hervor, das nicht nur die Anatolischen Ackerbauern die Siedler der Jungsteinzeit waren. Es gab auch Kaukasische, Levantinische und Iranische Ackerbauern in Europa. Diese Gruppen könnten sich bekämpft haben. Es ging um die Landnahme, bei dieser Gelegenheit haben sie die jungen Frauen und Mädchen auch geraubt.

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