ausnahmsweise

Vor vielen Jahren war Österreich noch nicht Mitglied der EU. Damals waren die landwirtschaftlichen Produkte noch teuer. Das war teilweise die Folge der amtlichen Preisregelung und auch von Preisabsprachen unter den Sozialpartnern. So war sichergestellt, dass die Bauern mit dem Verkauf ihrer Produkte ihre Existenz finanzieren konnten, ihr Einkommen war gesichert (*)

Auch damals hatten wir schon hin und wieder einen Butterberg. Da starteten die Regierung und die Molkereien eine Aktion, bei der Butter an der Grenze zum Ablaufdatum billiger verkauft wurde.

Manche Geschäftsleute hatten Sorge, dass einige Kunden so wie in Kriegszeiten die Butter „hamstern“ könnten. Dem wollten sie einen Riegel vorschieben und haben den Verkauf auf 250 Gramm Butter = 1 Packung pro Kunde begrenzt.

Eine Nachbarin – Mutter von 5 Kindern – musste immer sparen, um ihre Familie durchfüttern zu können; sie hat bei einem „Greissler“ 2 Packungen Butter in den Einkaufskorb gelegt. Die Kaufmannsfrau hat sich an der Kassa darüber „mokiert“ und hatte gesagt: „ausnahmsweise gebe ich dir 2 Packungen Butter!“

Die Nachbarin war darüber sehr erbost und ging fortan nicht mehrzu diesem Greissler einkaufen 😉

Eine Anekdote: Der Kaufmann – Ehemann der Kaufmannsfrau – war auch nicht zimperlich im Umgang mit den Kunden. Meiner damaligen Frau hat er einige Bananen sehr empfohlen. Meine Frau sagte: „Die sind ja schon ganz braun – nicht mehr schön!“ Er erwiderte: „Wenn diese Bananen nicht mehr schön sind, dann bist du auch nicht schön!“ Meine Frau war sehr zornig und ging auch nicht mehr in dieses Geschäft.

Letzten Endes wurde dieses Geschäft zugesperrt – wegen Mangel an Nachfrage. Sie hatten wenig Parkplätze, und die Kunden fuhren deswegen lieber zum Supermarkt.

*) Heute sind wir Mitglied der EU, es herrscht der Neo-Liberalismus, die Preise sind den Weltmarktpreisen anzugleichen. Das ist zum Vorteil für die Konsumenten. Das Überleben der Bauern sichern der Staat und die EU mit Unterstützungen.

Jeder ist Konsument, daher werden die meisten Leute diese Regelung als vorteilhaft empfinden.

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ausnahmsweise

2 Gedanken zu “ausnahmsweise

  1. christahartwig schreibt:

    „…daher werden die meisten Leute diese Regelung als vorteilhaft empfinden.“ Es erscheint uns so manches vorteilhaft, was es in Wahrheit nicht ist. Jedenfalls tragen die m.E. zu billigen Lebensmittel eine Mitschuld an der Volkskrankheit Übergewicht. Und die Subventionen, die an Landwirte gezahlt werden müssen, zahlen wir letztendlich ja auch über unsere Steuern.

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  2. Diese Regelungen waren Grundbedingungen für die EU als Wirtschaftsgemeinschaft. Darüberhinaus haben sie den Import aus Übersee zu einem günstigen Zoll ermöglicht. Das haben sie so geregelt, damit die eigene Exportwirtschaft (Industrieprodukte) in die dortigen Märkte hineinkommt. Beispiel: der Zuckerpreis von Brasilien bestimmt den Zuckerpreis in Eurpa. Falls Südzucker höhere Preise verlangt, können sie den Zucker in die Donau kippen!

    Ob es besser ist – weiß ich nicht.

    Jedenfalls sollte man den Bauern das Überleben ermöglichen. Was ist, wenn eine extreme Krise kommt und keine Lebensmittel mehr aus dem Ausland wegen Embargo hereinkommen?

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