Wer einmal aus dem Blechnapf frisst…

Eigentlich wollte ich diese Geschichte anders benennen: „Einmal im Leben eine wichtige Rolle spielen!“

Vor vielen Jahren wuchs der uneheliche Sohn einer mir unbekannten Frau als Pflegekind auf einem Bauernhof in Österreich auf. Dort musste er als Knecht arbeiten, er verliebte sich in die Bauerntochter. Als das dem Bauern zu Ohren kam, bekam er Repressalien zu spüren, das wurde nicht geduldet. Daraufhin wurde er sehr zornig und zündete den Bauernhof an.

Der Richter hatte kein Mitleid mit ihm und verhängte über ihn eine langjährige Haftstrafe wegen Brandstiftung und Gefährdung der Bewohner (ungefähr 5 Jahre Haft).

Nach der Haft arbeitete er als Schichtarbeiter in einem Industriebetrieb. Er konnte seine Arbeit gut verrichten, er war ja nicht dumm.

Seine Leidenschaft war die Kegelbahn. Er war ziemlich gut, oft Teilnehmer beim Preiskegeln. In Arnreit kam er in die Endausscheidung um den Sieg im Preiskegeln. Die Veranstaltung in diesem Kuhdorf war ein Schauspiel, der Bürgermeister unterbrach die Ausscheidung und sprach die Teilnehmer der Endausscheidung persönlich an. Da fühlte sich der XYZ-Schichtarbeiter sehr geehrt. Er durfte eine wichtige Rolle spielen und hat in diesem Theater mitgespielt.

Seine Vergangenheit wurde ihm zum Verhängnis. Im Gefängnis ist es üblich, dass einander die Gefangenen Dienste erweisen und Geld leihen. Daraus ergibt sich eine Verpflichtung, diese Schuld später zurückzuzahlen oder einander in jeder Lebenslage zu helfen. In diesem Sinne haben ihn einige Ganoven-Kollegen und Gefängnis-Insassen besucht und ihm hohe Geldbeträge abgeknöpft.

Dieses Geld hat er als Schichtarbeiter nicht verdient. So stahl er seinen Kollegen aus dem Spind kleinere Geldbeträge. Wahrscheinlich hat er mir auch zu Schichtenede einige Geldscheine „gezupft“, aber ich habe es nicht registriert. Einem anderen Kollegen, der nur geringe Reserven hatte, ist das aufgefallen, dass ihm oft ein „Zwanziger“ aus dem Jausenkästchen fehlt. Er verständigte den Sicherheitsdienst. Die Sache kam zur Polizei. Diese stellten dem Dieb eine Falle.
Es wurde ein „Zwanziger“ präpariert mit Silbernitrat in das Jausenkästchen gelegt. Prompt war der Geldschein weg. Die Kripo ließ alle Arbeitskollegen zum Test antreten. Der Dieb wurde aufgedeckt, indem er schwarze Hände hatte, die er durch Waschen nicht mehr reinigen konnte.

So wurde der Mann entlassen. Für dieses Kleindelikt wird er nicht viel Gefängnis ausgefasst haben. Später hat er als Bauhilfsarbeiter gearbeitet. Damals war für jeden Mann noch ein Arbeitsplatz da – im Vergleich zu heute. Ende der Geschichte.

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