die Zahn-Extraktion

 

http://static4.suedkurier.de/storage/scl/cms2skol/lokales/news/bodensee/friedrichshafen/1089120_w720h480q75v16389_frx_20_Indien5.jpg

Dieser Aufsatz ist ungustiös und grauslich zu lesen. Daher würde ich die empfindlichen Leser, die solche Texte nicht mögen, ersuchen, an dieser Stelle nicht mehr weiter zu lesen.

Ich hatte einen Dreiviertel-Plomben-Zahn als Backenzahn seit mehreren Jahrzehnten. Da hat mich eine (sehr gute) Zahnärztin darauf aufmerksam gemacht, dass dieser Zahn herausgehört, weil er möglicherweise meine Gesundheit beeinträchtigt.

Ich folgte einige Zeit später ihrem Rat und wollte mir diesen Zahn ziehen lassen. So ging ich in das Zahn-Ambulatorium und kam zu dem besagten Zahnarzt, der mir gestern die Metallprothese repariert hat. Der Mann ist Ausländer aus dem slawischen Sprachraum, aber er spricht sehr gut Deutsch. Er ließ zuerst ein Röntgenbild von genau diesem Zahn anfertigen; das ist eine gute Praxis, damit kann man einen Infektionsherd an der Zahnwurzel erkennen.

Nachher sagte er zu mir: „Wollen Sie jetzt diesen Zahn heraus haben? Gut – „Machma“ ihn raus!“

Nach der Betäubung ging er an das Werk. Er nahm die bestgeeignete Zange aus seinem Werkzeug-Schrank und sagte: „Vorsicht – Sie werden ein Splittern und Krachen im Mund spüren!“ Ein Dreiviertel-Plomben-Zahn bricht bei diesem Versuch immer am Zahnhals ab – so war es auch.

Was nun folgte, war Schwerarbeit für den Zahnarzt und eine Tortur für mich! Er versuchte noch mit passenden Zangen den Rest des Zahnes im Übergang zum Zahnfleisch zu fassen, er glitt bei diesen Versuchen immer ab.

Zur Ehrenrettung des slawischen Zahnarztes muss ich einfügen, dass ich sehr starke Zahnwurzeln habe, die sehr fest im Kiefer verankert sind. In Österreich sagt man zu diesem Befund: Die Zahnwurzeln stecken tief im Kiefer und sind dort noch „doppelt umgenietet“ ;(

So entschloss er sich, den Rest dieses Zahnes zu zerteilen und die Teile einzeln herauszuholen. Es geht nicht anders! So fräste er in der Mitte zumindest einen Schlitz in den Zahnrumpf, dann kam er mit einer Art „Schrauben-Zieher“ und sprengte den Zahnrumpf in mehrere Teile, das ist ihm noch gelungen. Dann probierte er wieder mit einer Spezialzange, die Teile zu fassen, ohne Erfolg.

Nun packte den Zahnarzt die Wut – slawische Grausamkeit – er holte eine Ahle(*) aus seinem Werkzeug-Schrank und rammte mir diese neben dem Zahnrumpf in das Kiefer. Nun hatte er ein wenig Angriffsfläche für seinen nächsten Versuch geschaffen. Dort setzte er eine Art Hebel an (Schrauben-Zieher oder Geißfuß), damit versuchte er die Zahnwurzeln auszuhebeln.

Mit jedem Versuch wurde das Kiefer an dieser Stelle mehr beschädigt, sodass es ihm schließlich doch gelang, alle größeren Teile herauszuholen.

Dann gab der Mann genervt auf. Er stocherte noch in der Wunde herum, ob er nicht noch weitere Teile im Kiefer vergessen hatten, er wurde nicht fündig.

Dann legte er eine Art Gewebebausch mit Chemikalie auf die Wunde und forderte mich auf, fest draufzubeissen. Dieses Gewebe solle ich erst nach mehren Stunden entfernen. In der Zwischenzeit hat der dortige Zahntechniker meine Zahnprothese so weit provisorisch abgeändert, ergänzt, dass die Wunde damit abgedeckt war. Eine Meisterleistung des Zahntechnikers! Es tat ein wenig weh, aber das Menschenfleisch muss gepeinigt werden 😉 – Masochismus praktiziert – in diesem Fall unvermeidbar 😉

Die Wunde aus der Zahn-Extraktion heilte nicht zu, vielmehr kam es zu einer Wucherung des Gewebes. In Österreich sagt man dazu – das „Wilde Fleisch“. Meine Tochter ist Krankenschwester, sie begutachtete den Fall und forderte mich auf, unverzüglich das Zahn-Ambulatorium aufzusuchen. Doch ein Master lässt sich nicht so einfach von einer Mistress einen Befehl erteilen 😉 Ich tat viele Tage lang gar nichts, und die Wunde heilte nicht zu. Eines Tages sah ich einen Splitter aus der Wunde herausragen. Ich holte selber einen kleinen Schrauben-Zieher aus meiner Werkzeug-Kiste und reinigte diesen sorgfältig. Mit diesem Spezial-Werkzeug, hebelte ich den Splitter aus, und nach einiger Mühe konnte ich einen großen Teil von einer Zahnwurzel aus der Wunde herausholen.

Dann war ich zuversichtlich, dass die Pein ein Ende hat. Tatsächlich ist die Wunde gut zugeheilt, und ich konnte wieder mit Prothese normal essen. In der Folge kamen noch weitere Entzündungen, und ich musste noch einige kleinere Splitter mit einem geeigneten Werkzeug entfernen (im Verlauf von einem halben Jahr). Erst gestern habe ich wieder einen Splitter entfernt, ich wollte deswegen (wegen einer Entzündung) auch beim Zahnarzt nachfragen. Aber dazu kam ich erst gar nicht, weil mich die Zahnarzt-Helferin gleich nach den ersten Sätzen abgekanzelt hat 😉

Nun habe ich eine Theorie – nicht bewiesen. Genau seit einem halben Jahr habe ich eine Entzündung mit Schwellung im Rachen – nur auf jener Seite, wo sich die Wunde aus der Zahn-Extraktion befindet. Merkwürdigerweise habe ich diese Entzündung nicht den ganzen Tag über sondern nur eine Stunde nach dem Essen, das hört etwa nach 6 Stunden auf.

Nach meiner Theorie dringen Mundbakterien bei der Wunde ein und führen zu einer Infektion der Umgebung die bis zum Rachen reicht.

Nun bin ich guter Dinge, dass ich den letzten Splitter herausgeholt habe und nun mein Leiden beendet ist.

Wie ist dieser Aufsatz einzuordnen? Das ist die Stilrichtung Naturalismus (in der Literatur vor 120 Jahren üblich)

*) Bein-Hebel Zahnarzt Werkzeug, Profi-Ausführung

http://moehrle-dental.eu/media/image/db/c9/33/8004_720x600.jpg

Advertisements
die Zahn-Extraktion

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s