Daniel

(Symbolbild für einen Jungen)

Vor vielen Jahren arbeitete ein Junge als Elektriker in einer Fabrik in der Großindustrie. Er stammte aus dem Waldviertel, wo es nur wenig und eher schlecht bezahlte Arbeitsplätze gab. Die Entfernung von seinem Wohnort zu seinem Arbeitsplatz betrug mehr als 80 Kilometer. Deshalb hatte er ein Bett in der Bereitschaftsunterkunft, wo jeweils 4 Männer sich ein Zimmer teilen mussten.

Sein Mentor war ein alter Hilfsarbeiter, welcher als Teil-Invalide eingestuft war und der keine harten Arbeiten mehr verrichten konnte. Dafür hatte er es faustdick hinter den Ohren. Er war verheiratet, nahm es aber mit der Treue nicht so genau. Er sagte: „Ich mag gerne Kalbfleisch – nicht immer das Rindfleisch zu Hause!“ Hin und wieder hatte er einen Rausch. Einmal war er so weggetreten, dass er die Toilette nicht mehr fand, und er pinkelte zum Heizkörper in dem 4-Bett-Zimmer.

Der Mann war ein schmächtiger, dunkler Typ. Der Daniel war ebenso schmächtig – er sah ihm ähnlich und hätte sein Sohn sein können. Der Daniel war ein typischer Niederösterreicher – dunkle Haare und im Jugendstadium schlank. Man kann es nicht sagen, woher dieser Menschenschlag stammt, solche Leute sind auch bei den Tschechen häufig. Eigentlich sah der Daniel gar nicht so übel aus – ein Heintje Verschnitt.

Wie sein Mentor war er hinter den Weibern her, dieser wollte ihm ein Mädchen aus seiner Großfamilie vermitteln, sie arbeitete ebenfalls in der gleichen Fabrik. Diese Prinzessin war vom Daniel sehr angetan, er war genau ihr Typ, sie waren aus dem gleichen Holz geschnitzt. Aber sie kriegte es mit, dass es ihm nur um nur um ein begrenztes Vergnügen ging, und dass auf ihn kein Verlass ist. Jedenfalls wurde keine länger dauernde Beziehung daraus.

Nach etwa einem Jahr interessierte den Daniel die Arbeit im Großbetrieb nicht mehr. Glücklicherweise fand er eine Stelle bei einem Elektro-Meister im Waldviertel.

Wieder ein Jahr später war er tot. Er war während der Arbeit in den Stromkreis geraten. Diese Arbeit verzeiht keinen Leichtsinn.

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Daniel

2 Gedanken zu “Daniel

    1. So ist es – aber vom Daniel gibt es nach 45 Jahren kein Foto mehr. Vielleicht hat eine seiner Bräute noch ein zerknuddeltes Foto von ihm aufbewahrt.

      Ungefähr so wie der Heintje hat der Daniel ausgesehen. Da konnte schon ein Mädel schwach werden.

      Gefällt 1 Person

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